Aktuelle Informationen
Meldung : Drei Anschläge auf das Stromnetz innerhalb einer Woche
Aktualisierung 4.9.2026, 15:25
Wir werden weiterhin alle relevanten Informationen sammeln, hier bereitstellen und die Fachbegriffe erklären.
Pressemitteilung Amprion (Umspannwerk Rommerskrichen):
Im Umfeld der Amprion-Umspannanlage Rommerskirchen im Rheinland ist es am Dienstagabend zu einem Vorfall gekommen, der Auswirkungen auf den Betrieb von Kraftwerkszuleitungen hatte. Infolgedessen kam es zu Anlagenausfällen bei der RWE Power.
Details siehe unter "Links" (unten)
Pressemitteilung 50Hertz (Umspannwerk Preilack):
Bislang unbekannte Täter haben am 1. September 2026 vermeintlich Sachbeschädigungen an mehreren Leitungen im Übertragungsnetz von 50Hertz begangen. Es gab eine kurzzeitige Leitungsunterbrechung. Mittlerweile sind alle Leitungen wieder in Betrieb. Die allgemeine Stromversorgung ist derzeit nicht beeinträchtigt.
Details siehe unter "Links" (unten)
Vorläufige Störungsaufarbeitung (zum Ereignis am 1.9.2026, 20:00 Uhr am UW Rommerskirchen)
Augenscheinlich kam es zu mehreren Kurzschlüssen an einer Hochspannungsleitung am Umspannwerk Rommeskirchen.
In den Videos sind Lichtblitze zu erkennen, die von der Leitung nach unten verlaufen und sich anschließend in Rauch auflösen. Dies deutet auf einen Kurzschluss hin, der von mindestens einem Leiterseil zur Erde abfließt – ein Vorgang, der nur über eine leitfähige Verbindung (Kurzschlussbrücke) zwischen Seil und Erde möglich ist.
Die Schutztechnik hat den Leitungsfehler nach Auslösung des Kurzschlusses korrekt erkannt und die Leitung im Rahmen einer Kurzunterbrechung (KU) abgeschaltet. Dadurch erlosch der Lichtbogen, und die Leitung wurde nach rund 0,5 Sekunden automatisch wieder zugeschaltet. Diese KU – auch automatische Wiedereinschaltung (AWE) genannt – behob die Störung, sodass umgehend wieder ein stabiler Netzbetrieb erreicht wurde. Solche kurzzeitigen Fehler sind bei Hochspannungsfreileitungen grundsätzlich bekannt und können insbesondere bei Gewittern infolge von Blitzeinschlägen auftreten.
Die Funktionsweise und das Verhalten der Schutztechnik werden im Rahmen von Prüfungen und Inbetriebnahmen gezielt getestet und verifiziert. Dabei werden entsprechende Fehlerzustände beziehungsweise deren elektrische Kennwerte simuliert, um sicherzustellen, dass die Schutztechnik einen Fehler zuverlässig erkennt und die vorgesehenen Schaltmaßnahmen korrekt ausführt.
Eine möglicherweise anschließende, kontrollierte Kraftwerksabschaltung des Kraftwerks Niederaußem könnte aus Sicherheitsgründen erfolgt sein, um die Netzstabilität zu gewährleisten (weitere Informationen siehe unten).
unser erstes Detailbild zeigt den zeitlichen Verlauf der Ereignisse im Hochspannungsnetz

Grafik bereitgestellt von Michael Oberhofer (PQopen.com), lizenziert unter CC BY 4.0, Zeitangabe MESZ
Über die Datenanalyse von Michael Oberhofer können wir nun die zeitlichen Ereignisse besser triggern und auswerten (vielen Dank für die Aufarbeitung und die Bereitstellung der Messdaten).
Auffällig ist, dass innerhalb von nur zwei Minuten insgesamt sieben Ereignisse erkannt und aufgezeichnet wurden. Sämtliche Ereignisse sind sowohl in der Netzfrequenz als auch in der regionalen Netzspannung am Messort Essen deutlich sichtbar.
Durch die Abschaltung des Kraftwerks ist auch ein deutlicher Abfall der Netzfrequenz zu beobachten. Die Schwelle für eine Netzfrequenz-Meldeanregung wurde jedoch nicht erreicht, sodass daraus keine entsprechende Netzfrequenzmeldung resultierte.
Insgesamt zeigt sich, dass die Netzfrequenz gegenüber einer Störung dieser Art vergleichsweise robust reagiert.
Bemerkenswert ist jedoch, dass die Ereignisse gezielt auf die volle Stunde gelegt wurden (18:00 UTC bzw. 20:00 MESZ). Dadurch sollte die mit dem Ereignis verbundene Veränderung der Netzfrequenz offenbar in den ohnehin regelmäßig auftretenden Frequenzänderungen infolge von Kraftwerks- bzw. Einspeiseänderungen um die volle Stunde weniger auffällig sein. Die zu dieser Zeit ohnehin erhöhte Häufigkeit entsprechender Frequenzveränderungen hätte eine mögliche Störung somit zunächst verschleiern können.
nachfolgend der Netzfrequenzverlauf zwischen 17:40 - 18:30 UTC (19:40 - 20:30 MESZ)

Grafik: Netzfrequenzverlauf am 1.9.2026, 17:40 - 18:30 UTC (19:40-20:30 MESZ), RJ2-Netzfrequenzinfodienst
Das Kraftwerk Niederaußern bei Rommerskrichen
Nachfolgend zeigt ein Kartenausschnitt aus der betroffenen Gebiet. Dort wird die Nähe des Kraftwerks zum Umspannwerk deutlich.
Das Kraftwerk Niederaußem ist ein von der RWE Power betriebenes Braunkohlekraftwerk in Bergheim-Niederaußem im Rhein-Erft-Kreis, Nordrhein-Westfalen. Die Anlage besteht aus insgesamt neun Kraftwerksblöcken, die zwischen 1963 und 2003 in Betrieb genommen wurden.
Ein Teil der ursprünglichen Kraftwerksblöcke wurde inzwischen vollständig stillgelegt. Derzeit befinden sich noch drei Blöcke im regulären Betrieb.
Mit einer Gesamtnettoleistung von 2.200 MW gehört das Kraftwerk Niederaußem zu den leistungsstarken Kraftwerksstandorten in Deutschland.

Kartendaten © OpenStreetMap contributors – ODbL 1.0
Informationen zu den Fachbegriffen
Was bedeutet „kontrollierte Abschaltung eines Kraftwerks"?
Durch den Kurzschluss im Bereich des Umspannwerks Rommerskirchen wurde offenbar auch eine kontrollierte Abschaltung des angrenzenden Kraftwerks Niederaußem durchgeführt.
Vermutung/Hypothese (in blauer Schrift)
Mit dieser Maßnahme wurde die von der Anlage bereitgestellte Kraftwerksleistung gezielt vom Netz genommen. Die fehlende Leistung konnte dadurch im Verbundnetz über andere Erzeugungsanlagen ausgeglichen und entsprechend verteilt werden.
Ziel einer solchen Maßnahme kann es sein, die Belastung der betroffenen Netzinfrastruktur zu reduzieren und die Netzsituation nach einer Störung zu stabilisieren. Eine weitere Störung im Umfeld der Schaltanlage hätte dadurch möglicherweise geringere Auswirkungen auf das Verbundnetz gehabt.
Wir werden zu dieser vorläufigen Hypothese weitere Informationen sammeln und hier ergänzen.
Was bedeutet „regional deutlich sichtbar in der Netzspannung"?
Diese Aussage bezieht sich auf eine Veränderung der Netzspannung – konkret einen kurzzeitigen Spannungsabfall. Dieser ist in der zeitlichen Aufzeichnung der Netzspannung deutlich erkennbar.
Für die meisten Menschen war dieser Spannungsabfall vermutlich kaum oder gar nicht wahrnehmbar, allenfalls durch ein sehr kurzes Lichtflackern. Vergleichbare Effekte können beispielsweise auch auftreten, wenn größere elektrische Verbraucher in der näheren Umgebung zugeschaltet werden.
Solche kurzzeitigen Schwankungen der Versorgungsspannung werden unter anderem als Flickererscheinungen bezeichnet und sind Teil der Thematik „Power Quality" (Netzqualität).
Was bedeutet „sichtbar in der Netzfrequenz"?
Die Ereignisse sind auch in der Aufzeichnung der Netzfrequenz eindeutig erkennbar: Die Frequenz ist infolge der Störung kurzzeitig abgesunken, hat jedoch keinen kritischen Schwellenwert unterschritten. Deshalb wurde auch keine Meldung des Netzfrequenz-Infodienstes ausgelöst.
Dies zeigt, dass das europäische Verbundnetz gegenüber einer solchen Störung eine hohe Robustheit und Stabilität aufweist – die Störung war messbar, hat das Gesamtsystem aber nicht in einen kritischen Betriebszustand gebracht.
Warum gab es keinen Blackout?
Ereignisse dieser Art können beispielsweise auch bei Gewittern infolge von Blitzeinschlägen auftreten. Auf solche kurzzeitigen und lokal begrenzten Störungen ist unser Stromnetz grundsätzlich ausgelegt und reagiert darauf robust – Störungen können auftreten, ohne dass daraus zwangsläufig eine großflächige Unterbrechung der Stromversorgung entsteht.
Dass solche Ereignisse dennoch nicht ungefährlich sind, verdeutlichen die auf den Videos deutlich hörbaren Explosionsgeräusche.
Ein Blackout lässt sich grundsätzlich nie vollständig ausschließen. Auch künftig sind weitere Störungen unterschiedlicher Art möglich, auf die das Stromnetz reagieren muss.
Ist nur unser Stromnetz gefährdet?
Nein. Vergleichbare Ereignisse können grundsätzlich in allen Hochspannungsnetzen auftreten – kein Stromnetz kann solche Störungen vollständig ausschließen.
Entscheidend ist daher nicht, ob Störungen auftreten können, sondern wie robust das Netz darauf reagiert und ob die vorhandenen Schutz- und Sicherheitssysteme die Auswirkungen wirksam begrenzen.
Wird es weitere Ereignisse geben?
Ja. Wir müssen davon ausgehen, dass auch künftig weitere Störungen und außergewöhnliche Ereignisse im Stromnetz auftreten werden. Das ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Entscheidend ist, dass das Stromnetz auf solche Ereignisse vorbereitet ist und Störungen möglichst schnell erkannt, eingegrenzt und behoben werden können.
Wird es einen Blackout geben?
Ein großflächiger Blackout lässt sich niemals mit absoluter Sicherheit ausschließen. Deshalb ist es sinnvoll, sich auf mögliche länger andauernde Stromausfälle vorzubereiten.
Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Blackout unmittelbar bevorsteht. Die bisherigen Beobachtungen zeigen vielmehr, dass unser Verbundnetz auch auf erhebliche Störungen robust reagieren kann.
Vorbereitet zu sein bedeutet daher nicht, mit einem Blackout zu rechnen – sondern für den Fall der Fälle handlungsfähig zu bleiben.
weitere Informationen zum Thema Blackout und Vorsorge finden Sie auf der Seite von Herbert Saurugg
weiterführende Links:
- Dobrindt und Reul geben Update zu den Strom-Anschlägen (4.9.2026, Bild)
- DORMAGEN: Noch ein Anschlagsversuch auf Umspannwerk! Sabotageserie hält Polizei in Atem (Welt)
- Pressekonferenz zu Anschlag auf Umspannwerk in Bergheim: Aktueller Ermittlungsstand (2.9.2026)
- Anschlag auf Stromversorgung in Bergheim I WDR (Handy-Video)
- Pressemitteilung von Amprion zum 1.9.2026
- Pressmitteilung 50Hertz (zu 1.9.2026)
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